Gründungserklärung

FÜR EINE STARKE LINKE AN ÖSTERREICHS HOCHSCHULEN!

Fragen und Antworten zur Gründung

Weil wir rund um unsere Gründung öfter gefragt werden, warum wir nicht länger versuchen, Veränderungen innerhalb der GRAS zu bewirken und wie sich die Grünen Studierenden von ihr unterscheiden gibt es jetzt hier ein FAQ

GRÜNDUNGSERKLÄRUNG DER GRÜNEN STUDIERENDEN

Die Entwicklung an den österreichischen Hochschulen ist besorgniserregend. Wir sehen eine Stärkung des Einflusses rechter Kräfte an den Hochschulen, während wir seit geraumer Zeit in diesen gesellschaftlich hochbedeutsamen Räumen für Debatte und Meinungsbildung einen scharfen Bedeutungsverlust gesellschaftskritischer, linker Ideen erleben. Dies gilt sogar für ehemalige Hochburgen der Linken, wie etwa die Geisteswissenschaften. In einer Zeit, in der die Rechte sich in ganz Europa im Aufschwung befindet, verschärft sich diese langjährige Entwicklung. Die Rechte hat es geschafft, ihr Gedankengut bis weit in die gesellschaftliche wie auch akademische „Mitte“ zu tragen.

Der Verlust kritischen politischen Bewusstseins an den Hochschulen ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Umwälzung, die weit mehr Bereiche als nur die Hochschulen betrifft. Während bei der Bildung an allen Ecken und Enden gespart wird, Wohnen, Essen, Mobilität immer teurer werden, sollen Studierende unter immer höherem Druck ihr Studium bestreiten. Das führt dazu, dass sich zusehends weniger Studierende politisches Engagement leisten können. Gleichzeitig sollen die Hochschulen trotz chronischer Unterfinanzierung dafür sorgen, immer mehr Menschen immer schneller für den Arbeitsmarkt auszubilden.

WIR HABEN ES IN DER HAND!

Aufgrund dieser Entwicklungen schrumpfen die Räume, in denen wir uns kritisch mit der Gesellschaft und unserer eigenen Situation auseinandersetzen können. Das stellt die Linke vor große Herausforderungen. Sie spielt im Alltag der meisten Studierenden keine Rolle mehr. Sie schafft es nicht, den Kampf um eine bessere Hochschule und eine bessere Gesellschaft zu gestalten. Und oft scheint es so, als hätte sie diesen Kampf ohnehin schon aufgegeben.

Die Hochschule ist seit jeher ein umkämpfter Ort. Wir, die wir hinter dieser Gründungserklärung stehen, wollen uns wieder in diesen Kampf einmischen! Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, den Aufstieg der Rechten in der gesamten Gesellschaft aufzuhalten. Wir wollen Wege finden, wie wir uns als Studierende für eine Veränderung dieser Gesellschaft organisieren können in einer Zeit, in der das alles andere als einfach geworden ist. Das ist eine Herausforderung, aber eine, bei der die Mühe sich lohnt: Wenn es uns gelingt, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich wieder so viele Studierende wie möglich engagieren können, werden wir nachhaltig etwas verändern.

DRUCK AUFBAUEN FÜR VERÄNDERUNG

Hochschulen spielen eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft. An den Hochschulen werden nicht nur Teile der künftigen Eliten und der sogenannten Mittelschicht ausgebildet, sie sind auch ein Ort, der viele Studierende langfristig politisch prägt. Das Wissen, das wir uns in Hochschulen aneignen, kann die vorherrschenden Verhältnisse bestätigen oder aber dazu genutzt werden, sie kritisch zu hinterfragen. Studierende tragen dieses Wissen in die verschiedensten Bereiche der Gesellschaft – in ihre Freund*innenkreise, ihre Vereine und ihre Familien, in die Privatwirtschaft, in Politik und Medien, in die Schulen und die Erwachsenenbildung oder über Forschung und Lehre wieder in die Universität selbst. Was an der Hochschule passiert, hat eine Strahlkraft weit über die Hochschulen selbst hinaus.

Die Hochschulen sind auch ein Ort, an dem wir ganz konkret Druck für politische Veränderung aufbauen können. Denn Studierende sind ein maßgeblicher Machtfaktor, der in Großstädten wie Innsbruck oder Graz bis zu einem Fünftel der Bevölkerung ausmacht. Die Österreichische HochschülerInnenschaft ist mit fast 400.000 Mitgliedern eine der größten Interessensvertretungen in Österreich. Ihr Potential als gewichtige gesellschaftspolitische Stimme ist enorm. Die verschiedenen ÖH-Standorte arbeiten jedoch isoliert vor sich hin anstatt an einem Strang zu ziehen und so politischen Druck auszuüben.

DIE ÖH KANN MEHR

Wenn die ÖH ihre beträchtlichen Möglichkeiten ausschöpft, kann sie gemeinsam mit den Studierenden vieles erreichen und wieder zu einer wahrnehmbaren Kraft in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen werden. Zu tun gibt es genug: Wir müssen den Kampf gegen die massive Verschlechterung der Studienbedingungen führen, sei es gegen die Kürzung der Familienbeihilfe, die Kürzung von Wohnbeihilfen, überfüllte Hörsäle und Labore oder unleistbare Lernmaterialien. Dieser Kampf für unsere alltäglichsten Interessen ist auch der Kampf für eine bessere Gesellschaft, denn die untragbaren Studienbedingungen sind nur ein Teil eines Angriffs auf soziale Errungenschaften in allen Bereichen der Gesellschaft.

Die ÖH ist jedoch mehr als eine Interessensvertretung. Sie ist auch Entwicklungsraum und Lernfeld für politisches Engagement. Eine starke ÖH bietet gute Rahmenbedingungen, in denen Studierende mit dem Anspruch, Veränderung an den Hochschulen und in der Gesellschaft zu erkämpfen, aktiv werden können. Wir Studierende können in den ÖHs das Rüstzeug erhalten, das es braucht, um mit Erfolg linke Politik zu gestalten.

MIT DEM BESTEHENDEN BRECHEN

Die verschiedenen Fraktionen in der ÖH sind den Veränderungen, die auf den Hochschulen durch das Bachelor-System in den letzten Jahren entstanden sind, nicht hinterhergekommen. Auch die Grünen & Alternativen Student_innen (GRAS) haben als Organisation dabei versagt, auf diese Entwicklungen zu reagieren und gegenzusteuern. Obwohl es in Österreich mehr als 70 Hochschulen gibt, ist die GRAS nur mehr an einer einzigen ÖH-Exekutive auf Hochschulebene vertreten. Selbst an ehemaligen Hochburgen wie der Universität Wien ist die GRAS auf den dritten Platz zurückgefallen. Auch die Zahl, Größe und Schlagkraft ihrer Hochschulgruppen hat stetig abgenommen.

Neben diesem organisatorischen Zerfall sehen wir auch einen immer stärkeren inhaltlichen Verfall in Teilen der GRAS. Es ist kein Wunder, dass die GRAS in der Öffentlichkeit keine Rolle spielt, hat sie doch kaum Forderungen, die sie über Medien- und Kampagnenarbeit vermitteln könnte. Organisierte Positions- und Bildungsarbeit findet kaum noch statt, sei es in Diskussionen, Vorträgen oder Gremien. Stattdessen herrscht politische Ziel-, Rat- und Harmlosigkeit. Das ist schlecht, wenn man die Gesellschaft und die Hochschulen verändern möchte. Für die eigene Parteikarriere, die das höchste Ziel von Teilen der GRAS ist, ist diese politische Beliebigkeit aber eine gute Voraussetzung, denn so kann man nirgends anecken.

Die linken Kräfte innerhalb der GRAS, die auf das Versagen der GRAS und das mit dem Bachelor-System veränderte Umfeld für politisches Engagement an den Hochschulen reagieren wollen, werden zunehmend ausgegrenzt. Alle Versuche einer strukturellen Öffnung für mehr Studierende werden abgewehrt. Formale Mindeststandards und transparente Verfahrensweisen, wie sie in allen grünen Organisationen selbstverständlich sind, werden ignoriert. Es gibt keine geheimen demokratischen Wahlen von Spitzenpositionen und Funktionsträger*innen. Da sämtliche Entscheidungen innerhalb der GRAS einstimmig getroffen werden müssen, ist es ein Leichtes, Kritik und Veränderungswünsche einfach abzublocken und auszusitzen. Anstatt an politischen Strategien und Positionierungen zu arbeiten, um der Krise etwas zu entgegnen, engt man sich ein und versucht jegliche Veränderung zu vermeiden.

AUS DER OHNMACHT HERAUSTRETEN

Eine schlagkräftige grüne und linke Studierendenorganisation hat enormes Potenzial an den Hochschulen. Dieses Potenzial liegt zur Zeit weitgehend brach. Von den Hochschulen allein wird die dringend notwendige Veränderung unserer Gesellschaft nicht ausgehen. Jedoch können sie Orte sein, an denen wir lustvoll lernen, uns mit unserer Umgebung zu befassen und sie besser zu verstehen. Auch an den Hochschulen müssen wir als Studierende in die gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung für eine Politik gehen, die nicht nur Verschlechterungen abwehrt, sondern offensiv eine bessere Zukunft erkämpft.

Dieser Kampf findet in den verschiedensten Studien und Fakultäten statt, in denen die künftigen Arbeitskräfte für Schlüsselfunktionen unserer Klassengesellschaft ausgebildet werden. Die naturwissenschaftlichen und technischen Fächern prägen unser Leben oft in größerem Ausmaß als die Sozial- und Geisteswissenschaften. Die Macht von Wissenschaft und Technik wird als neutral wahrgenommen, obwohl sie entscheidend dafür ist, wie die Gesellschaft der Zukunft aussieht. Wir können die Verhältnisse nicht verstehen und verändern, wenn wir nicht anfangen, die Macht der technischen Entwicklung als politisch zu begreifen und damit auch die Rolle der Studierenden dieser Fächer.

Doch auch in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern müssen wir wieder Räume für kritische Reflexion schaffen. Als Linke sind wir im Kampf um die Antworten auf die gesellschaftlichen Fragen, die in diesen Fächern verhandelt werden, weitgehend abgemeldet. Auch in anderen gesellschaftlich mächtigen Studienrichtungen wie etwa den Rechtswissenschaften, der Lehrer*innenausbildung sowie BWL und VWL müssen wir wieder die Auseinandersetzung um eine bessere Gesellschaft führen.

FÜR FORTSCHRITTLICHE HOCHSCHULPOLITIK VOR ORT

Ebenso wenig dürfen wir uns nur auf die großen Hochschulen beschränken, an denen Linke traditionell verankert waren. Auch Kunst- und Medizinische Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogische Hochschulen, Privatuniversitäten und andere spezialisierte Hochschulen sind wichtige Orte für gesellschaftliche Veränderung. Wir müssen Studierenden an allen Hochschultypen Angebote machen, aktiv zu werden und sich in studienübergreifend erfolgreicher politischer Arbeit zusammenzutun.

Als Grüne Studierende wollen wir eine fortschrittliche Agenda für die Arbeit in Studienvertretungen entwerfen und uns für kritische, vielseitige Studienpläne und Lehrangebote vor Ort bei den Fachbereichen einsetzen. Es geht um den Kampf für eine solidarische Gesellschaft, den wir in so verschiedenen Bereichen wie Wohnen und Arbeit, den Lernbedingungen an Hochschulen und der studentischen Mitbestimmung in der Lehre und dem Studienrecht führen müssen.

GRÜNE STUDIERENDE

Soziale Errungenschaften werden Schritt für Schritt abgeschafft. Die europäischen Regierungen setzen ihre unsolidarische Politik immer stärker mit Gewalt und rassistischer wie sozialer Spaltung durch. Davon profitieren die Rechten, die einen historischen Höhenflug erleben, dessen Ende nicht in Sicht ist. Der Linken gelingt es kaum, dieser fatalen Entwicklung ihre Vision einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft entgegenzusetzen. In diesem gesellschaftlichen Klima ist die Linke auch an Österreichs Hochschulen in schwerer Bedrängnis. Es ist höchste Zeit gegenzusteuern. Daher gründen wir, Studierende an verschiedenen Hochschulen aus ganz Österreich, die Grünen Studierenden.

Als grüne Studierendenorganisation wollen wir eine schlagkräftige Linke an Österreichs Hochschulen aufbauen. Wir wollen aus der Gleichgültigkeit und Ohnmacht heraustreten, um politisch wirksam zu handeln. Über unsere Organisation hinaus wollen wir Impulse für Rahmenbedingungen und Maßnahmen setzen, damit es wieder starke politische Organisierung auf den Hochschulen gibt. Wir wollen gemeinsam neue Visionen entwickeln, damit wir an den Hochschulen wieder erfolgreich den Kampf für eine bessere Hochschule und eine bessere Gesellschaft führen können.

GEMEINSAM KÖNNEN WIR VIEL BEWEGEN!

Es geht um sehr viel – um die Entscheidung für eine solidarische Gesellschaft, in der alle selbstbestimmt und angstfrei leben können. Dazu braucht es viele Menschen an den Hochschulen, die sich engagieren, neue Ideen entwickeln und zusammenarbeiten. In den nächsten Wochen und Monaten veranstalten wir an verschiedenen Hochschulstandorten in Österreich Gründungstreffen der Grünen Studierenden. Wir freuen uns darauf, mit vielen Menschen neue Visionen für eine linke Hochschulpolitik zu entwerfen. Gemeinsam können wir viel bewegen!

Gruendungserklärung